Ort und Lebensbedingungen

Das Projekt CAMM wirkt am Stadtrand Recifes im Nordosten von Brasilien. Das Stadtviertel in dem CAMM arbeitet, hat den Namen „Schusslinie“ (linha do tiro). Drogenhandel, Gewalt und Schmutz prägen das Leben der Kinder und Jugendlichen dort.
Ademilson schreibt über die Lebensbedingungen vor Ort:

Die Kinder und Ihre Familien leben vom Lohn aus geringer Beschäftigung und damit von wenig Geld.
Mehr als die Hälfte davon brauchen sie, um Essen zu kaufen.

Brasilien ist dabei, auf die Liste der Schwellenländer zu gelangen, aber die Armut geht immer noch weiter. Ganze Stadtviertel leben ohne Kanalisation, deshalb kehren Krankheiten, die schon ausgerottet schienen zurück.

Die Verletzung der (Menschen-)Rechte wird jeden Tag sichtbarer. Die lokale Verbesserung der Wirtschaft ist spürbar, aber die soziale Entwicklung ändert sich nicht. Die Regierung und die lokalen Eliten manipulieren die Medien und lassen die Informationen über die schwierigen Lebensbedingungen der großen Mehrheit der Bevölkerung einfach aus. Es wird immer wieder gelogen, um zu rechtfertigen, was nicht zu rechtfertigen ist.
Was in unserem Alltag erlebt wird, sind:

  • Verstärkter Handel und Missbrauch von Drogen sowie vermehrte Kinderprostitution;
  • Niedrige Qualität von Bildung, unterbezahlte und unzufriedene Lehrkräfte; Lehrbücher mit absurden Schreib- und Grammatikfehlern; ungeeignete Klassenzimmer, in denen die Decken teilweise einsturz-gefährdet sind, die unqualifizierte Ausbildung junger Menschen, die fachlich nicht ausreicht, um eine Arbeitsstelle zu besetzen.
  • Die öffentliche Gesundheit ist wie ein chaotisches Kriegsgebiet. Obwohl die Regierung neue Krankenhäuser und Kliniken gebaut hat, sind sie nicht ordnungsgemäß ausgestattet und haben keine professionellen Dienstleistungen für die Bevölkerung. Es sind Gebäude, die nur dazu dienen, als Werbung in Wahlperioden eingesetzt zu werden. Diese Krankenhäuser und Kliniken nehmen nur Patienten mit schweren Verletzungen auf, die an massiven Blutungen leiden z.B. durch Schusswunden, Messerstechereien oder Unfälle.
    Die Schmerzen, die ich seit 2011 in der rechten Schulter und in den Knien fühle, sind nicht genug, um eine medizinische Versorgung zu bekommen. Viele Kinder und Erwachsene werden oft nicht adäquat behandelt und werden frühzeitig nach Hause geschickt, wo sie teilweise sterben.
    Am 19.11.11 starb mein Vater mit 86 Jahren – auch durch mangelnde medizinische Versorgung.